Auswendiglernen von Vokabeln?

Auswendiglernen – immernoch die beste Lernmethode?

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In Deutschland kehren nächste Woche die letzten Schüler und Schülerinnen in die Schulen zurück. Während die Erstklässler noch voller Freude und Wissensdurst sprühen, sorgen sich vor allem die Gymnasiasten um den Stress, den die vielen Tests und mündlichen Abfragen ihnen bereiten werden. Denn um eine vergleichbare Basis zu schaffen, prüfen die Lehrkräfte in vielen Fächern "objektives" Wissen in Form von auswendig gelernten Fakten oder Vokabeln. Doch wie effiktiv ist das Auswendiglernen für die Anwendung des Gelernten in der Praxis? Haben die SchülerInnen tatsächlich beim Auswendiglernen etwas gelernt?

Vokabeln Auswendiglernen?

Im Sprachunterricht gibt es Lehrbücher mit immer kürzeren Texten und Dialogen, die gut mit Bildern illustriert sind. Diese in der Klasse laut zu lesen erscheint vielen Lehrern sinnlos. Sie geben kurzerhand die Hausaufgabe, die Vokabellisten auswendig zu lernen und sich selbständig mit den Texten zu befassen. Doch wie sollen die SchülerInnen dabei die korrekte Aussprache lernen? Am besten die einzelnen Wörter in den Google-Translator eingeben und sich vorlesen lassen? Dabei ist hinreichend bekannt, dass dieses Tool bestenfalls als Krücke taugt. Höchstens bei der Übersetzung ins Englische mag es akzeptable Ergebnisse liefern, da es ja von Amerikanern entwickelt wurde. Bei der Übersetzung in Sprachen mit komplexerer Grammatik liefert es viel Kauderwelsch.

Bei der mündlichen Vokabelabfrage, wird dann geprüft, ob die in dieser Lektion gelernte Bedeutung - ohne jedwede Einordnung in einen Kontext - memorisiert wurde. Es werden Beispielsätze und Definitionen in der Fremdsprache abgefragt, und sogar im schriftlichen Test sind nur einzelne Wörter in Tabellen und Sätze einzufügen.

Interessanterweise erinnern wir uns beim Auswendiglernen von Vokabellisten sehr gut, wo das Wort auf der Seite stand - welches Wort davor kam und welches danach. Doch was in aller Welt stand in der Spalte daneben in derselben Zeile? Es fehlt also der Kontext! Außerdem basiert diese angestrebte Verknüpfung der Vokabel mit der muttersprachlichen Entsprechung auf einer grundlegenden Annahme: Dass wir immer in der Muttersprache denken. Bevor wir einen Satz in der Fremdsprache formulieren können, müssen wir ihn erst im Kopf übersetzen. Doch dabei laufen wir in Gefahr, unseren muttersprachlichen Satzbau auf die Fremdsprache zu übertragen. So werden wir jedoch nie die Fremdsprache beherrschen lernen. Vom Deutschen in die Fremdsprache wortwörtlich zu übersetzen funktioniert nicht.

Wortwörtliche Übersetzung in umgekehrter Richtung

Was wäre, wenn auch an unseren Schulen gelehrt würde in der Fremdsprache zu denken? Und wie sollen junge Menschen das lernen? Sie reisen zwar in den Ferien in alle Welt, halten sich jedoch vorwiegend in Hotelanlagen auf, wo sie auf deutsch kommunizieren können!

Vera F. Birkenbihl hat mit ihrer Methode des Dekodierens und Rückdekodierens den Spieß umgedreht: Maßgeblich ist der fremdsprachliche Text. Dieser wird wortwörtlich ins Deutsche dekodiert. Im digitalen Zeitalter kann man aus dieser Datei ganz einfach eine Rückdekodierungsübung erstellen, indem man die fremdsprachliche Zeile löscht. Bei der Rückdekodierung füllt der Lerner die Lücken Wort für Wort und erlebt selbst aktiv, wie der Satzbau in der Fremdsprache funktioniert. Mehr zu den Sprachenlernmethoden von Vera F. Birkenbihl gibt es hier.

Aktive Anwendung der Sprachkenntnisse prüfen

"Sprache kommt von sprechen" sagen wir so schön. Im Französischen heißt "Sprache" "langue", und das Wort bedeutet auch "Zunge". Im Englischen heißt es "language" und weist auf die Verwandtschaft des Vokabulars zum Französichen und Lateinischen hin. Im Spanischen heißt es "idioma" und "idiom" im Englischen ist eine "Redewendung".

Im folgenden Video erklärt xy, ein Deutscher auf Englisch, dass Auswendiglernen eben nicht dasselbe ist, wie lernen.