Welches sind die ältesten Sprachen der Welt, die heute noch gesprochen werden?

Die ältesten Sprachen der Welt

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Beim Sprachenlernen stolpern wir immer wieder über Fremdwörter aus anderen Sprachen. Wer aufmerksam ist, erkennt zusammenhänge wie Veränderungen von Vokalen und auch Bedeutungsverschiebungen. Doch in welche Richtung der Einfluss geht, ist nicht immer ganz klar. Dazu müsste man wissen, welche als die ältesten Sprachen gelten.

Oft ist der Austausch zwischen den modernen Sprachen gegenseitig: Im Japanischen gibt es viele Fremdworte aus dem Englischen, historisch gewachsen auch einige aus dem Deutschen, Spanischen, Portugiesischen und sogar Französischen. Dafür haben wir in unsere westlichen Sprachen auch Begriffe übernommen für Phänomene und Dinge, die aus Japan kommen: Kimono, Tsunami, Taifun, Sushi...

Eine interessante Liste

Vor einigen Wochen beschäftigte ich mich mit den Sprachen Europas und dem noch relativ jungen Tag der Sprachen. Doch Sprache ist, was den Menschen ausmacht.... und so recherchierte ich ein wenig in der Sprachgeschichte der Welt. Da stolperte ich im Internet über einen englischen Blogbeitrag über die ältesten Sprachen, die noch heute gesprochen werden.

Interessant finde ich, dass zwei dieser Sprachen mit der Religion und Standardisierung zusammenhängen:1. Hebräisch als Sprache der Juden geriet ab 400 n. Chr. erst einmal in Vergessenheit und überlebte nur als liturgische Sprache. Im 19. Jahrhundert wurde sie wiederbelebt, mit Elementen aus den jiddischen Dialekten mit verschiedenen Einflüssen aus der Regionen angereichert, in denen die Juden lebten. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Staatssprache von Israel, das Ivrit. 2. Makedonisch als Basis für das Kirchenslavische, von dem sich Bulgarisch und die anderen slavischen Sprachen ableiten lassen. Die slawische Sprachfamilie hängt eng mit der Christianisierung Osteuropas zusammen.

Dass Farsi, Persisch, eine sehr alte Sprache ist, wissen vielleicht einige meiner Leser. Interessant finde ich jedoch, dass sich diese Sprache seit dem 9. Jahrhundert kaum verändert hat. Moderne Iraner, Afghanen oder Tadjiken könnten einen 1000 Jahre alten Text viel einfach lesen, als wir die Werke von Walther von der Vogelweide (einem Dichter des 12./13. Jahrhunderts) oder auch von Goethe, Schiller und Lessing. Auch im 20. Jahrhundert hat sich nicht nur die Rechtschreibung des Deutschen verändert. Auch grammatische Strukturen sind weiterhin im Wandel. Nicht umsonst ist "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" ein Bestseller.

Europas alte Sprachen

In Randgebieten Europas finden wir weitere Kandidaten für unsere Liste: Irisches Gälisch und Baskisch. Während das Gälische in der Schule gelehrt und dieses Kulturerbe aktiv gepflegt wird, hat das Baskische in Spanien und Frankreich einen viel schwereren Stand. Das Gälische ist immerhin noch mit den anderen indogermanischen Sprachen Europas verwandt, das Baskische jedoch nicht und gibt den Sprachwissenschaftlern jedoch bis heute ungelöste Rätsel auf.

Drei weitere Landessprachen Europas zählen auch zu dieser Gruppe der Sprach-Methusalems: Finnisch ist nur noch mit dem Ungarischen und Estonischen verwandt. Es hat zwar viele Lehnwörter aus dem Germanischen aufgenommen, doch diese in Formen, die heute sonst nirgendwo mehr vorkommen.
Litauisch gilt als die älteste noch gesprochene Form des Indo-Germanischen, umgeben von slawischen und finn-ugirschen Sprachen.
Isländisch hat sich selbst unter den Dänen, die dort eine Weile regierten, kaum weiterentwickelt vom Nord-Germanischen, wärend andere Sprachen Nordeuropas sich immer mehr angeglichen haben. Auch hier sind die alten Sagen dem Isländisch-Sprecher viel leichter zugänglich, als anderen Europäern.

Alte Sprachen in Asien

Farsi erwähnte ich schon vorher, doch ich möchte zwei weitere Sprachen noch erwähnen: Tamil und Georgisch.

Im Süden Indiens, auf Sri Lanka und in Singapur wird Tamil gesprochen. Es ist sogar Landessprache des indischen Staates Tamil Nadu. Tamil ist die älteste klassische Sprache, die von den Anfängen im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung bis heute ununterbrochen in Gebrauch war.

Auch die Landsprache Georgiens gehört in diesen erlauchten Kreis. Das Land liegt zwischen Europa und Asien - zwischen Russland im Norden sowie der Türkei und Armenien im Süden. In dieser Weltregion treffen indo-Germanische und Turksprachen (Türkisch) aufeinander. Doch das Georgische ist der Hauptvertreter einer weiteren - mit den umliegenden Sprachen nicht verwandten - Sprachgruppe, die keine weiteren Verwandten in der Welt hat. Wer übrigens besondere Herausforderungen beim Sprachenlernen sucht, könnte sich am Georgischen versuchen. Es gilt als eine der schwierigesten Sprachen der Welt.