Kanji und Katakana

Radikale ordnen Kanji

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Zu Anfang muss ich die Leser beruhigen, diese Radikale sind nicht ausländerfeindlich eingestellt! Ganz im Gegenteil, sie sind unsere Freunde und Helfer, wenn es darum geht, ein System in die Flut der chinesischen Zeichen zu bringen, die wir für das Verständnis der japanischen Sprache brauchen.

Seit Ende 2010 gelten 2136 Kanji als Mindestbildungsstand, den sich jeder Japaner in 9 Pflichtschuljahren aneigenen muss. Mein erstes Kanjilexikon hat etwas mehr als 5000 Zeichen, aber es gibt inzwischen online schon Lexika mit über 10.000 Zeichen. Ein gebildeter Japaner kann - zumindest passiv - bis zu 3500 Zeichen lesen, die je nach persönlicher Spezialisierung verschieden sein können. Die einfachsten Zeichen bestehen nur aus einem Strich, die kompliziertesten (nicht mehr zum Bildungsstandard gehörenden) Zeichen bis zu 24 Strichen, die zu einem "Bild" zusammengesetzt werden. Dabei kommt es sogar noch auf die Position der Striche und sogar die Reihenfolge an. Ein geübter Blick entdeckt sofort einen Fehler in den Proportionen. Ein vergessener Strich oder ein Strich an einer anderen Stelle kann sogar die Bedeutung verändern: Es ist schon ein Unterschied, ob wir von einem großen Hund (大きい犬) sprechen, oder von einem dicken Hund(太い犬). Eine weitere Herausforderung im Japanischen ist, dass nur wenige Zeichen mit einer einzigen Lesung auskommen - die meisten haben wenigstens zwei Arten, manche jedoch bis zu sechs verschiedene Arten, wie sie auszusprechen sind, je nachdem, was worher oder nachher für ein Zeichen steht.

Um all diese vielen tausend Zeichen in einem Wörterbuch anordnen und auffindbar zu machen, haben sich schon die alten Chinesen etwas ausgedacht: die sogenannten Radikale, teilweise auch "Klassenzeichen", da sie zum Beispiel anzeigen, dass es sich um eine Pflanze handelt, etwas aus Holz, ein Körperteil ist, oder eher etwas kleidungsähnliches aus Stoff... Das erste Japanisch-Englische Zeichenwörterbuch kennt 214 Radikale, doch der deutsche Japanologe Wolfgang Hadamitzky hat später diese Ordnungselemente auf 79 reduziert und das einzige Japanisch-Deutsche Zeichenwörterbuch herausgebracht bevor die Online-Wörterbücher in mode kamen..

Auch wenn man heutzutage im Internet recherchieren kann, z.B. im Wadoku Jiten, wo man das Zeichen entweder mit copy&paste einfügt, sofern man es digital hat, oder man benutzt die Eingabemaske, wo man entweder eine Lesung des Zeichens angibt, die man schon kennt um weitere Lesungen herauszufinden, die in diesem Kontext eher passen, oder man sucht über die Strichzahl, das Radikal, oder man versucht über die Maus zum Beispiel, sogar das Zeichen zu malen. Es kann aber auch online eine ganze Weile dauern, bis man das gesucht Zeichen endlich gefunden hat. Deshalb sind auch PlugIns sehr nützlich, die uns die Lesung anzeigen, wenn wir nur mit der Maus auf ein Zeichen oder eine Zeichengruppe zeigen.
Auch diese Assoziationen über ein Radikal gewähren übrigens tiefe Einblicke in die Kultur Ostasiens. Ein englischer Blogartikel illustriert dies sehr anschaulich für den Bambus (竹), der in gestauchter Variante, auch als Radikal für so viele andere Zeichen dient, die in den interessantesten Weisen irgendwie mit Bambus zusammenhängen.

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