Willkommen in jeder Muttersprache

Internationaler Tag der Muttersprache

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Gestern (am 21.2.) war Internationaler Tag der Muttersprache - ein Tag, der 1999 von der UNESCO ausgerufen wurde. Anlass war ein Protest der Bevölkerung der pakistanischen Provinz Bengalen gegen die Festlegung von Urdu als Staatssprache in Pakistan. Dieser Staat bestand bis 1971 aus zwei Provinzen Ost- und Westbengalen, die über 1500 km von einander getrennt waren. Ostbengalen machte sich nach einem blutigen Bürgerkrieg als Bangladesh selbständig. Diese Geschichte vergegenwärtigt, wie wichtig die Muttersprache für die kulturelle Identität ist.

Wie viele Sprachen gibt es in der Welt?

Insgesamt gibt es etwa 6000 Sprachen in der Welt, doch 80% der Weltbevölkerung spricht eine von 50 Sprachen als Muttersprache. 90% der Menschen auf der Erde sprechen eine dieser Sprachen wenigstens als Zweitsprache. Mehr als die Hälfte aller Sprachen sind vom Aussterben bedroht und damit auch die kulturelle Vielfalt.

Eine interessante Statistik von Statista zeigt, dass die deutsche Sprache derzeit von gut 76 Millionen Sprechern hautpsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesprochen wird. Noch interessanter fand ich ein Video, das grafisch aufbereitet hat, welches im Zeitraum von 1900 bis 2021 die am meisten gesprochenen Sprachen waren. Anfang des Jahrhunderts rangierte Deutsch auf dem 10. Platz, schließlich gab es ja auch noch die Kolonien in Afrika und in der Südsee. Im 1. Weltkrieg begann der Absturz und 1939 belegte sie nur noch Platz 14. Damit war der Tiefpunkt erreicht und seit den 1950er Jahren nimmt die Anzahl der Sprecher kontinuierlich zu. Derzeit steht Deutsch auf Rang 12 noch vor Japanisch und Swahili.

Unterricht in der Muttersprache

In vielen Ländern wird der Bedeutung der Muttersprache heutzutage Rechnung getragen und oft ist mehr als eine Sprache offiziell anerkannt. Dementsprechend werden zum Beispiel in Südafrika Zulu und Xhosa an den Schulen gelehrt, in Neuseeland steht die Sprache der Maori auf dem Stundenplan - für alle Schüler.

In Deutschland können Kinder mit Migrantenhintergrund zumindest in der Grundschule Unterricht in vielen Muttersprachen haben. Doch wir sind weit davon entfernt, diese Sprachen so zu fördern, dass auch in den weiterführenden Schulen neben Spanisch und Französisch als 2. oder 3. Fremdsprache zum Beispiel Türkisch oder Farsi (Persisch) angeboten wird. Russisch hat ja durch den Zwang während der Zeit der DDR stark an Ansehen gelitten. Doch selbst Polnisch und andere slawische Sprachen gelten immer noch als Exoten. Dagegen sind Chinesisch und Japanisch als Wahlpflichtfach an deutschen Gymnasien auf dem Vormarsch. Dort sitzen dann jedoch fast ausschließlich deutsche Schüler, denn die Kinder einer japanischen, chinesischen oder koreanischen Mutter haben längst schon in privaten Einrichtungen ihre Sprachkenntisse gepflegt.

Die Muttersprache ist extrem wichtig für jeden Menschen, egal in welchem Land er oder sie aufwächst. Sie wurde schon vor der Geburt angelegt und das Kleinkind erlernt sie mühelos. Das festigt das Selbstvertrauen und bietet die beste Grundlage, um darauf aufbauend weitere Sprachen zu erlernen. Es heißt sogar, dass das Zahlenverständnis in der Muttersprache angelegt ist. Das erklärt vielleicht, warum manche Kinder Schwierigkeiten in Mathematik haben, wenn diese ausschließlich in der Zweitsprache gelehrt wird.

Alles in allem ist der Unterricht in der Mutterspache in Deutschland noch ausbaufähig. Ich plädiere jedoch auch dafür, dass mehr der in Deutschland verbreiteten Sprachen als Zweitsprache gefördert werden - auch bei Kindern aus rein deutschsprachigen Elternhäusern. Mehrsprachiigkeit ist kein Hemmnis, sondern ein Vorteil.